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Stimmanalyse

Wir reden von der Seele - Gespräche mit Tiefgang, von Anfang an auf Augenhöhe

Wie viele Ihrer Gedanken sind zu hören, wie viel davon ist nur maskenhaftes Gerede? Wahre Stimmungen auf Wunsch wiederzugeben, scheint genauso unmöglich, wie das zu sagen, was die anderen hören wollen, ohne selbst dabei falsch verstanden zu werden. Aber die Stimme hat es auch wirklich schwer: sie muss sich in einem begrenzten Zeitraum, in dem sich jederzeit andere zu Wort melden könnten, angemessen laut und artikuliert zu Wort melden (was bisweilen nur durch eine wettkampfartige Auf-den-Punkt-Leistung zu bewältigen scheint, die ein hochkonzentriertes Training erfordert).
Dank der Stimmanalyse kann Ihre Stimme mittels einer digitalen Aufzeichnung und einer eventuell anschließenden Software-Bearbeitung (nach Ihren Idealvorstellungen) als ein Körper eigener Gesetzlichkeit hörbar werden. So zu verfahren, erscheint befremdend: als betrachtete man am Athleten den Körper, damit seine Leistung besser einleuchte. Aber im Fall der Stimme hilft die Untersuchung des von ihr zum Gemeinten "Dazugesungenen" (der Prosodie) beim Verstehen des Gemeinten selbst. Befördert es den Sinn oder wird er unterwandert?

Fortsetzung:

Eine nackt gehörte Stimme, von fremden Stimmen völlig isoliert in einen Raum gestellt, macht keinen Sinn mehr, sie macht Angst: ihre Anonymität und Losgelöstheit von einem, der von seiner Seele erzählt, ist unheimlich. Sie ist grandios gescheitert, kommuniziert nicht einmal Nonsens, nimmt man sie ernst (überhaupt sind viele Ängste und Phobien nüchtern besehen keineswegs unrealistisch). Wie das bisschen Blech zwischen sich und einem möglichen Tod 10.000 Meter tiefer (beim Fliegen), so kann auch die Stimme so sehr von allen - und potenziell sogar immer wieder - vernommen werden, dass die Bewusstwerdung der Verantwortung, die Höhe zu halten, eine existentielle, angstvolle Erfahrung sein kann (auch einen Körper zu haben und zu bewegen kann in seiner im Alltag abgeblendeten Verantwortung angstvoll bewusst werden). Normalerweise würde sich unser Sprechen auf das Alibi berufen, einer bestimmten Gruppe, einer bestimmten Autorität, einem Vater, einem den Sinn garantierenden Zeugen zuzugehören. Das lenkt ab von der Verantwortung, auch selbst als "Zeuger" all des Sinns mitaufzutreten.
Schnell verklingt die Stimme. Aber da, wo sie ihren Moment hat, kann sie nicht auf verschlossene Lider hoffen. Das Auge ist der einzige Teil des Gehirns, der "sichtbar" ist, die Stimme der einzige hörbare. Während aber die Augenaktivität, die Blicke, letztlich nicht öffentlich für Zeugen hinterlassen werden, sind die von der Stimme ausgestellten Klangobjekte etwas prinzipiell für alle Beurteilbares. Daraus kann eine "Charakterologie", eine Untersuchung der anatomischen Simmgestalt, Rückschlüsse auf den "Stimmgeber", den "Stimmungsmacher" ziehen. Mit der - ergänzend zur Heilungsmethode der zuerst an Bedeutungen orientierten Psychoanalyse - stimmanalytischen Bewusstmachung Ihres Hörens sowie Ihrer Hör-Enttäuschungen werden Bezüge von Stimme und Stimmung deutlich. Eine von Aufzeichnungsmedien wiedergegebene Stimme flirtet mit dem "Fall", dass alle Menschen von der Erde verschwänden und dennoch aus einem einsamen Grammophon eine äußerst befremdende Stimme erklänge. Diese Situation, jenseits von haltbietenden Ohrwürmern, kann die Stimmanalyse simulieren. Wenn man nur von weitem eine Stimme hört, nimmt man keine artikulierten Worte wahr (auch wenn sie immer noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als andere Geräusche, man will ja deuten…). Was einem zu Ohr kommt, ist nur Sound: eine Klage, eine autoritäre Geste, eine Automatik, ein Singen etc. - wird man hier zugestehen, dass man entgegen dem Ideal der Achtung der "Person" ihr Sonores so behandelt wie Musik, wo man zumeist dem ästhetischen Urteil die Freiheit (ohne Argumente) zur Abneigung sofort zugesteht?
Unsere Stimmforschungen im Rahmen der Psychoanalyse gehen den umgekehrten Weg zur Logopädie. Nicht der direkte Weg zur Normierung und Normalisierung wird gesucht, sondern der Weg über das Aussetzen in die Angst, hin zu einer vielleicht neuen privaten Norm.

  Andreas Spohn M.A.    Heilpraktiker (Psychotherapie)    Stresemannstr. 41    40210 Düsseldorf    Tel.: 0211 – 4746416    E-Mail: info@vonderseelereden.de